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Post - Post Covid Status März 2024



Es ist jetzt ziemlich genau 2 Jahre her. Diese erste Sars-Covid-19 Infektion in meinem Leben. Die mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Die mich für lange Zeit zu einer schwer kranken Frau gemacht hat. Die mich körperlich und mental an meine Grenzen gebracht hat. 2 Jahre hat es gedauert. Und ich habe schon länger mit dem Gedanken gspielt, aber jetzt traue ich mich, es auch öffentlich auszusprechen:


Ich bin Post - Post Covid!


Dies ist ein Abschiedsbeitrag. Mein Post Covid Blog ist eine abgeschlossene Geschichte mit Happy End.


Bevor ich aber die letzten beiden Jahre nochmal kurz Revue passieren lasse, möchte ich noch kurz an meinen letzten Blog-Beitrag anschließen und die Geschichte der Re-Infektion fertig erzählen. Ich hatte hier wirklich unglaubliches Glück: Ich hab die Covid-Infektion schnell bemerkt, konnte mich gleich testen und konnte sofort Paxlovid einnehmen. Darüber hinaus hatte ich Ärzt:innen in meinem Primärversorgungszentrum, die verstanden, dass ich als Post Covid Patientin zur Risikogruppe gehöre und dementsprechend eine Indikation zur Verordnung von Paxlovid gegeben ist. Keine Selbstverständlichkeit! Voller Entsetzen habe ich mittlerweile von betroffenen Personen gehört, denen das Medikament bei Re-Infektion verweigert wurde. Aus meiner Sicht ein weiteres Anzeichen für das Versagen und die Ignoranz der medizinischen Community, in der postvirale Syndrome nach wie vor nicht ausreichend ernst genommen werden. Aber ich schweife ab. Paxlovid hat voll reingefetzt und ich konnte nach einer Woche Krankenstand wieder arbeiten gehen! Wie ein ganz normaler grippaler Infekt. Unglaublich. Und ich war natürlich super paranoid und vorsichtig. Aber als ich bis Weihnachten stabil geblieben bin, konnte ich es glauben. Kein furchtbarer Rückfall! Mein Genesungsprozess wurde durch die Re-Infektion nicht unterbrochen.


Und dieser Genesungsprozess ist weiterhin munter vorangeschritten und tut es noch immer. Es hat sich eine Routine im Arbeiten eingestellt. Mit Beginn 2024 hab ich dann auch langsam begonnen, wieder Sozialkontakte neben der Arbeit zu pflegen. Im Februar hab ich mein heißgeliebtes seit 2 Jahren eingestaubtes Fahrrad zum Service gebracht und für kurze Strecken ist es wieder in Verwendung. Letztes Wochenende hab ich eine 2-stündige Wanderung mit einigen Höhenmetern bewältigt. Ich kann Abendveranstaltungen bis 22h besuchen. Alles ohne Crash. Ich habe lange gebraucht, aber ich traue mich jetzt, es zu sagen: Ich hab es überstanden!


Natürlich gibt es ein paar Vorgänge in meinem Körper, die jetzt anders sind als vor der Infektion, aber das sind Kleinigkeiten, mit denen ich gut leben kann. Und vor allem: ich weiß immer, wo sie herkommen und wie ich sie vermeiden kann!


An dieser Stelle möchte ich einerseits die für mich entscheidenden Schlüsselelemente zur Genesung zusammenfassen:


  • Kompetente medizinische Unterstützung am neuesten Stand der Forschung - all meine Selbstfürsorge und alle Zeit der Welt hätten ohne die empathische und fachlich hochprofessionelle Begleitung von Frau Dr. Hoffmann in der ÖGK-Long Covid Ambulanz sehr wahrscheinlich deutlich länger oder potenziell gar keine Verbesserung meiner gesundheitlichen Situation gebracht. Es ist eine Schande und ein Armutszeugnis, dass es aktuell keine Anlaufstellen mehr für von postviraler Symptomatik betroffene Personen gibt!

  • Zeit, Ruhe und Entspannung - es war ein harter aber wirkungsvoller Prozess zu lernen, dass es viel Zeit und kein Training sondern Erholung braucht, um in die Kraft zu kommen.

  • Selbstfürsorge - bei allen körperlichen Einschränkungen und Kapriolen war und bleibt für mich der geistige Umgang mit diesen ein entscheidender Faktor, um mit Verständnis und Geduld mit dem eigenen Körper und damit sich selbst, in einer liebevollen Beziehung zu verbleiben.

  • Liebevolles, verständnisvolles und unterstützendes soziales Umfeld - ich bin wirklich ein Glückskind, was diesen Faktor betrifft. In Zeiten als ich wirklich völlig am Boden war, haben mich die lieben Menschen rund um mich mitgetragen. Und das hat wirklich alle Lebensbereiche betroffen. Ob in der Partnerschaft, im Freundeskreis, in der Facebook-Gruppe, in der Psychotherapie oder an der Fachhochschule. An dieser Stelle ein riesiges DANKE dafür an alle!


Andererseits möchte ich diese Blog auch mit meinen Erkenntnissen und meiner Dankbarkeit beschließen. Ich durfte in diesen 2 Jahren so unglaublich viel lernen und auch in meinem Menschsein wachsen:


  • Ich bin vom Wirbelwind zur Hüterin der Pausen geworden und das ist gut so.

  • Meine Energie und Aufmerksamkeit sind Geschenke, die ich mir gut einteilen muss.

  • Ich darf auch ohne Erkrankung NEIN sagen und muss nicht allen Anforderungen rund um mich entsprechen.

  • Im Laufe der letzten beiden Jahre habe ich ein sehr achtsames Körperempfinden entwickelt, dass mir hilft meine Grenzen zu respektieren.

  • Die Wertschätzung der kleinen Dinge hat einen Riesenanteil an meiner Resilienz in dieser Lebensphase gehabt.

  • Ich habe gelernt, dass ich mich auch lieben kann, wenn meine körperlichen Fähigkeiten nur sehr eingeschränkt vorhanden sind und das ist eine wundervolle Erfahrung, die ich jedem Menschen nur wünschen kann!


In diesem Sinne beende ich hiermit die Berichterstattung über meine Post Covid Erkrankung. Dieser Blog hat sehr viel Psychohygiene für mich gebracht. Es war ein schöner und wichtiger Schritt für mich, meine Erfahrungen mit dieser Erkrankung zu teilen und sichtbar zu machen.


Ich wünsche allen Betroffenen, dass er Hoffnung gibt.


Ich wünsche allen Angehörigen, dass er Verständnis gibt.


Und ich hoffe, dass er bei allen unkundigen Mediziner:innen und untätigen Politiker:innen tiefe Betroffenheit und Scham auslöst. Denn postvirale Erkrankungen bleiben in hohem Ausmaß präsent. Breit gestreutes medizinisches Fachwissen und ausreichende gesundheitspolitische Versorgungsstrukturen fehlen allerdings nach wie vor.

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